Abenteuer in der Mecklenburgischen Seenplatte

SPICA Verlag Neubrandenbrug

Autorin: Marianne Thiele

Illustratorin: Elke Steckhan

135 Seiten, 14,5 x 21 cm

Softcover

ISBN: 978-3-943168-22-8

14,90 € (D)

Über das Buch

In dem Kinderbuch „Abenteuer in der Mecklenburgischen Seenplatte“ (135 S. / Spica-Verlag) sind einige der liebenswerten Sagenfiguren unserer Heimat versammelt. Das Buch ist in 2. Auflage seit September 2025 auf dem Büchermarkt verfügbar.

In meinem Buch helfen die Geschwister Piet und Julia dem Gespenst Xao Ling, einen jungen Drachen wiederzufinden. Ihre Suche beginnt in Neubrandenburg, führt mit Hilfe eines fliegenden Teppichs durch die Mecklenburgische Seenplatte und endet am Ausgangsort. Unterwegs treffen die Kinder und das Gespenst auf viele bekannte Sagenfiguren, wie die Bäckersfrau Mudder Schulten, den untoten Fischer vom Tollensesee  oder die Bernsteinnixe aus der Müritz. Auch bekannte Tiere wie der Bär Bruno aus dem Bärenwald Stuer oder die Möwe Fibo aus der Regionalbibliothek Neubrandenburg und Tiere aus den Geschichten von Hans Fallada spielen mit. Doch warum der kleine Drache andauernd Tiere stiehlt und was die geheimnisvolle Weiße Frau damit zu tun hat, wird natürlich erst am Ende des Buches aufgeklärt. Es ist also eine richtige Abenteuergeschichte.

Der Text ist kindgerecht geschrieben und durch Elke Steckhan illustriert worden. Alle Figuren können sprechen und handeln im Hier und Jetzt. Die Sagenfiguren leiden nicht am Staub der Jahrhunderte, sondern haben durchaus moderne Eigenheiten, und das macht sie sympathisch.

Das Buch ist für Kinder ab 8 Jahren geeignet. Besteht die Möglichkeit einer Lesung? Dann geben Sie mir bitte gern Bescheid, ich freue mich darauf. Über den Verlag (oder meine Homepage) sind die neuen Bücher bestellbar. Ich danke Ihnen im Voraus für Ihr Interesse!

Marianne Thiele


Leseprobe

Mudder Schulten und Dörchläuchting werden sich mal wieder nicht einig

Inzwischen ist die Mitternachtsstunde fast vorbei. Julia, Piet und Xao Ling haben sich von Markus und seinen Freunden verabschiedet. Sie stehen jetzt wieder vor der Johanniskirche. Hinter ihnen schließt sich die mächtige Kirchentür, lautlos und wie von Geisterhand.

„Ihr müsst endlich nach Hause, es ist allerhöchste Zeit“, mahnt Xao Ling die Kinder.

„Das stimmt zwar, aber schade ist es trotzdem“, murmelt Piet. „Irgendwie bin ich heute nämlich gar nicht müde. Können wir nicht erst nachsehen, wer sich da streitet? Vielleicht ist daran auch wieder der Drache schuld?“

Tatsächlich scheint es in der Nähe des Mudder-Schulten-Brunnens eine kleine, aber heftige Auseinandersetzung zu geben. Zwei Stimmen, die eine klingt heller, die andere ist ein Männerbass, geben sich kämpferische Widerworte.

Julia, Piet und Xao Ling fassen sich ein Herz. Sie biegen auf die Stargarder Straße ein und folgen den zankenden Stimmen in Richtung Bahnhof, bis sie die Wallanlage erreicht haben.

Vor dem Mudder-Schulten-Brunnen stehen sich zwei Personen aufgebracht gegenüber; die eine ist klein und rundlich, die andere lang und dürr wie eine Bohnenstange. Die kleine Person trägt einen breiten, grünen Rock, eine gelbe Bluse, ein braunseidenes Tuch und eine weiße Sonntagshaube. Ein Junge in kurzen blauen Hosen versteckt sich ängstlich hinter ihrem Rücken. Die große Person hat rote Hosen an. Sie trägt weiße Strümpfe und schwarze Lackschuhe mit blanken Schnallen, außerdem einen violetten Überrock mit goldenen Tressen. Auf ihrem Kopf sitzt ein dreieckiger Hut, der nach Piets Meinung aussieht, als ob er vom Karneval kommt. In der linken Hand hält die Person einen Rohrstock mit diamantenem Knauf, mit dem fuchtelt sie der empörten Frau frech vor dem Gesicht herum. Und der Brunnensockel, auf dem sonst Fritz Reuters berühmte Figuren stehen – ist ratzeleer.

„Das sind doch Mudder Schulten und Dörchläuchting“, ruft Piet erstaunt. „So sehen sie also in Wirklichkeit aus!“

Die beiden Streithähne haben den Ausruf gehört und wenden sich sofort den Neuankömmlingen zu. „Halt, nicht weitergehen! Habt ihr hier in der Nähe einen kleinen braunen Hund gesehen?“, rufen sie wie aus einem Munde.

Die drei müssen leider verneinen. Sofort geht der Streit in die nächste Runde.

„Es ist mal wieder alles Eure Schuld, Euer Hochwohlgeboren!“, schimpft Mudder Schulten. Erbost stemmt sie die Fäuste in die Hüften. „Ihr hattet kein Recht, dem merkwürdigen grünen Drachentier meinen armen Hund auszuliefern. Und wenn ich mir überlege, was es Euch dafür als Bezahlung gegeben hat, dann werde ich erst recht wütend!“

„Impertinentes Frauensmensch!“, schnaubt der Herzog. Seine rechte Hand fährt an den Degen. „Was erlaubt Sie sich?“

„Eurer Gedankenlosigkeit mal so richtig die Meinung zu sagen!“, wettert die Bäckersfrau. „Die ist nämlich legendär, halten zu Gnaden! Die Sache mit dem Hund ist nicht mal die schlimmste Eurer Unartigkeiten! Darf ich Eure Großzügigkeit daran erinnern, dass Ihr mir immer noch 21 Taler schuldet? Für drei lange Jahre, in denen Ihr von mir leckeres Brot, Kuchen und Brötchen bezogen habt, und zwar immer nur auf Pump?“

Herzog Adolf Friedrich IV. von Mecklenburg-Strelitz winkt eingeschnappt ab. „Na und?“, knurrt er. „Dummes Frauenzimmer! Ihr solltet Euch geehrt fühlen, dass Ihr Eure Backwaren an meinen Hof liefern durftet, jawohl!“

„Entschuldigung“, mischt Julia sich ein. Sie macht artig einen Knicks, weil sie weiß, dass das auf adligen Höfen üblich ist. Tatsächlich wenden ihr die beiden Streithähne ihre Aufmerksamkeit zu. „Mit Talern bezahlen wir schon lange nicht mehr. Ihr müsst die Schulden mittlerweile in Euros umrechnen“, empfiehlt sie. „Und dann interessiert mich mal, wie das mit dem Hund war. Stimmt es, dass der Drache ihn haben wollte?“

Mudder Schulten nickt. „Ich hätte ihn ja nie weggeben“, sagt sie. „Aber Dörchläuchting hat ihn gegen eine Drachenschuppe eingetauscht, und zack, weg war er!“

„Ich finde, das ist keine schlechte Bezahlung“, verwahrt sich der Herzog. „Keiner meiner Freunde hat eine echte Drachenschuppe. Was meint Ihr, was die beim nächsten Fest für eine Aufmerksamkeit erregen wird!“

„Ach ja? Dummerweise war es allerdings mein Hund, den Ihr da ganz unbekümmert eingetauscht habt!“, wettert Mudder Schulten.

Xao Ling versichert ihr jedoch, dass der Drache sich den Hund auf jeden Fall geholt hätte. „Erstens habt ihr das Schuppentier wahrscheinlich selber angelockt“, sagt er. „Weil ihr euch so laut gestritten habt. Und zweitens hat man genau gemerkt, dass es bei eurem Streit um eine interessante Geschichte gegangen ist. Die hat den Drachen magisch angezogen, weil er Geschichten liebt.“

„Aber wozu um alles in der Welt braucht er meinen Hund?“, will die Bäckersfrau wissen.

„Das wissen wir noch nicht genau. Er wollte vorhin auch schon einen Löwen aus der Kirche haben, und er hat ihn sich geholt“, meint Piet. „Für seine Herrin. Sie hat ihm dafür einen Namen versprochen, der etwas mit Glück zu tun hat.“

„Nun, ich wäre jedenfalls überglücklich, wenn ich meinen Hund wieder hätte“, stellt Mudder Schulten fest.

„Ich nicht“, murmelt der Herzog aufsässig. „Die dumme Töle springt mich immer an. Bloß gut, dass tagsüber meine Hosen nicht aus Seide, sondern aus Muschelkalk sind, sonst wäre ich ja ein total peinlicher Anblick!“

„Das seid Ihr sowieso, Eure Knausrigkeit!“

Ding, dong! Ehe sich die beiden wieder in den Haaren liegen können, schlägt die Bahnhofsuhr Eins. Die Geisterstunde ist vorbei. Mudder Schulten und Dörchläuchting müssen sofort auf ihren Brunnen zurückkehren, und der Knabe auch.

Bloß der kleine Hund fehlt.

„Oh, oh. Nächste Nacht geht es hier wieder hoch her“, grinst Piet.

„Wo bringt der Drache die gestohlenen Tiere nur hin?“, überlegt Julia.

„Das müssen wir herausfinden“, sagt Xao Ling. „Und noch einiges mehr. Allerdings nicht mehr heute Nacht!“

Oh, schon zu Ende? Wollt ihr wissen, wie es weitergeht? Im Abenteuerbuch erfahrt ihr es! Ihr könnt es mit dem Kontaktformular bestellen.

 

Last Updated (Sunday, 19 October 2025 16:25)